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Todtmoos Heimatmuseum Außenansicht Maier

Station 1

Haus Außenansicht

Vor uns steht einer der vielen Typen eines Schwarzwaldhauses. In unserer steilen Landschaft wurden die Häuser quer zum Hang gebaut – mit der Breitseite zur Steillage. Dieses hier gehört zum Typ des Schauinsland- beziehungsweise Wiesentälerhaus und besitzt eine bergseitige Hocheinfahrt, die sogenannte „Ifahrt“.
Es ist ein Eindachhaus: Unter einem großen Dach lebten zwei Familien – zusammen mit Vieh, Heu, Brennholz und allen Vorräten. Im Winter konnte man so das gesamte Leben im Inneren organisieren, ohne in Schnee und Kälte hinauszumüssen.
Das Haus besteht aus einem gemauerten Keller, einem Hochparterre und einem durch den Dachüberstand geschützten Dachgeschoss.

Beginnen wir links:
Dort sehen wir den Vollwalm – das Dach über der nördlichen Stirnseite, das bis fast zum Boden reicht. Es schützt das Haus vor dem kalten Nordwind. Rechts folgt das große Schindeldach. Das kleine Glockentürmchen oben ist nicht original – es wurde erst beim Umbau zum Museum ergänzt.
Ein Strohdach wäre hier oben nicht möglich gewesen. In dieser Höhenlage wächst Roggen nicht ausreichend, um lange Halme für die Dachdeckung zu liefern. Holz dagegen gab es im Übermaß – also verwendete man Schindeln.
Auf der Südseite erkennen wir den sogenannten Krüppelwalm. Er reicht nur bis zur Höhe des oberen Balkongeländers. Diese Dachform wirkt wie eine natürliche Klimaanlage:
Im Winter, wenn die Sonne tief steht, erwärmt sie die Stube und die Stubenkammer. Im Sommer trifft das Licht nur auf das Dach – die Räume bleiben kühl.
Über dem Kellergeschoss fällt ein besonderes Detail auf: Statt einer beschindelten Wand sehen wir ein Fries mit Bretterfüllungen – eine kostspieligere, aber sturmresistentere Bauweise.
Am Fensterfries lässt sich die Ständerbauweise gut ablesen. Vom ersten Eckständer rechts folgen vier Fenster, dann der zweite Ständer, der Hausgang, der dritte Ständer, erneut vier Fenster, der vierte Ständer, die Fenster des Stalls, der fünfte Ständer, Balkontür und Oberlicht – und schließlich der sechste Ständer als Eckabschluss.
Auch die Farben erzählen eine Geschichte:
Das Braun des Holzes entsteht dort, wo Sonne, aber kein Wasser auftrifft – geschützt durch den großen Dachvorsprung. Das Grau der Schindeln entsteht durch Sonne und Regen. Die feinen grauen Streifen an der Wand stammen vom überlaufenden Gießwasser der Blumen.
Schwarzwaldhäuser wurden ursprünglich nicht gestrichen. Auch heute verzichtet man meist wieder auf Anstriche – nur die Fensterrahmen werden bemalt.
Vollwalm
Todtmoos Heimatmuseum Außenansicht Maier
Gehen wir nun näher an das Haus heran, bis zum Fuß der Treppe, und schauen nach links oben.
Dort sehen Sie die Madonna. Sie wurde beim Brand des „Alten Schwarzwaldhauses“ in den 1980er-Jahren gerettet. Sie erinnert an die große Bedeutung von Todtmoos als Marienwallfahrtsort – über 500 Jahre lang war dies hauptbedeutend für den Ort.
Daneben hängt das Wirtshausschild des ehemaligen Grandhotel Adler, heute Europäisches Jugendhaus. Es zeigt den österreichischen Doppeladler mit dem rot-weiß-roten Bindenschild – ein Hinweis auf 550 Jahre Zugehörigkeit zu Vorderösterreich.
Die Habsburger, das am längsten regierende Adelshaus Europas – von 1267 bis nach dem Zweiten Weltkrieg – stammen übrigens nicht ursprünglich aus Österreich. Ihre Stammburg liegt nicht weit von hier im Schweizer Aaretal.
Steigen wir nun die Treppe hinauf, betreten den Hausgang – und gehen durch die erste Tür rechts in die rechte Stube des Doppelhauses: das heutige Trauzimmer.
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